Alle Organismen stehen mit ihrer Umwelt in einer Wechselbeziehung, welche die Artverbreitung, Artenvielfalt und -häufigkeit beeinflusst (Campbell und Reece 2009, 1543ff). Kommunikation findet meist intraspezifisch mittels zahlreicher Sinnesmodalitäten, wie durch optische, akustische, mechanosensorische oder chemische Signale, statt (Sadava et al. 2011, 1493ff). 
Allerdings kann Kommunikation auch zwischen unterschiedlichen Arten, sprich interspezifisch, stattfinden. Sadava et al. unterscheiden in diesem Sinne fünf Kategorien von interspezifischen Wechselbeziehungen, welche sich in „[…] antagonistische Interaktionen [1], Symbiose (Mutualismus) [2], interspezifische Konkurrenz [3], Kommensalismus [4] und Amensalismus [5]“ gliedern (ebd., 1563). So führen interspezifische Wechselbeziehungen zu Koevolutionen, sodass interspezifische Kommunikation letztlich auch bei Räuber-Beute Beziehungen eine wichtige Rolle spielen (ebd., 1566ff). Beispielsweise existieren wechselseitige Anpassungen von Herbivoren und Pflanzen unter Anderem durch chemische Stoffe (ebd., 1571).

Rieger und Bolinski verweisen auf einen „Multispecies Turn“, der sowohl in Wissenschaft und Kunst, als auch in Politik und Gesellschaft zu finden sei (Rieger und Bolinski 2020, Abs. 2). In diesem Zusammenhang würden „[…] Tiere und Organismen konkret als Sensoren für die Krebserkennung oder als biologische Speicher für kulturelle Überlieferungsszenarien der Zukunft verwendet [werden]“ (ebd., Abs. 2). Die konkrete Art dieser intraspezifischen Kommunikation sei zwar laut Rieger und Bolinski noch nicht umfassend genug erforscht, aktuell  widme sich jedoch die „Disziplin der Animal-Computer-Interaktion” mit dieser Aufgabe (ebd., Abs. 2). 

In der gegenwärtigen Kunstwelt wird das Themenfeld der Multispezies-Kommunikation während des Science & Art Festivals „{un][split} Micro Performance and Macro Matters“ von diversen Performance-Künstler*innen thematisiert (Muffatwerk 2020). Die Künstler*innen „[…] inszenieren im Zeitalter von biotechnischer Manipulation und Klimawandel nicht nur den menschlichen Körper, sondern erweitern das Spektrum unserer Handlungen um die Aktionspotentiale von Materie, Molekülen, Bakterien, Zellen des Tierischen und des Pflanzlichen. Mikro-Performance zeigt Makro-Effekte auf und fordert ökologisches Bewusstsein jenseits des verheerend grassierenden Anthropozentrismus […]“ (ebd.). Der amerikanische Künstler Paul Vanouse greift im Rahmen von {un][split} den Gedanken eines kulturellen Schmelztiegels mit seiner Performance „The America Project“ auf. Anhand von vermischten Speichelproben skizziert Paul Vanouse „[…] ein Portrait einer gespaltenen, sich ständig im Fluss befindlichen, kollektiven Identität“, die im Widerspruch zu den vorherrschenden nationalistischen Strömungen in den USA stehen (ebd.).

[1] Wechselbeziehungen zweier Arten, bei denen „eine Art auf Kosten der anderen profitiert“ (Sadava et al. 2011, 1689).

[2] Symbiose, auch als Mutualismus bezeichnet, beschreibt eine wechselseitige Beziehung zweier Arten, von der beide profitieren (ebd.,  1739; 1767).

[3] Wenn Individuen verschiedene Arten zwischenzeitlich um begrenzte Ressourcen konkurrieren, wird dies als interspezifische Konkurrenz bezeichnet (ebd.,  1724).

[4] Als Kommensalismus wird eine wechselseitige Beziehung zweier Arten betitelt, von der eine Art profitiert und die andere Art unbeeinflusst bleibt (ebd., 1728).

[5] Amensalismus beschreibt eine Wechselbeziehung von zwei Organismen, von der einer der Beteiligten unbeeinflusst bleibt und der andere geschädigt wird (ebd., 1688).

Literatur:
Campbell, Neil A., und Reece, Jane B. 2009. Biologie (8. Aufl.). München: Pearson.

Sadava, David, Hillis, David M., Heller, H. Craig., & Berenbaum, May R. 2011. Purves Biologie (9. Aufl.). Heidelberg: Spektrum.

Links:

Muffatwerk. 2020. „"{un][split} Micro Performance and Macro Matters. Science & Art Festival" Abgerufen am 19.06.2020. : https://www.muffatwerk.de/de/events/view/3989/un-split-micro-performance-and-macro-matters 

Rieger, Stefan und Bolinski, Ina. 2020. „Artenübergreifende Kollaborationen - Beyond the Anthropocene: Are We Entering a „Multispecies Turn“?" Bochum: Scientia. Abgerufen am 19.06.2020. https://ifm.blogs.ruhr-uni-bochum.de/index.php/forschung/forschungsprojekte/dfg-projekt-artenuebergreifende-kollaborationen-zum-multispecies-turn-in-der-medienwissenschaft/ 

Rieger, Stefan und Bolinski, Ina. 2020. „“Beyond the Anthropocene: Are We Entering a „Multispecies Turn“?” Abgerufen am 08.07.2020. https://ifm.blogs.ruhr-uni-bochum.de/wp-content/uploads/2020/04/StefanRieger_InaBolinski.pdf 
{un][split} – Katalog. Abgerufen am 08.07.2020. http://online.fliphtml5.com/wayzy/dwol/#p=16 

Author
Inititale
On